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Johanniskirche

Ev. Johanniskirchengemeinde Bonn-Duisdorf

Theologische Gedanken zu Corona

Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott etwas mit unserem Leben zu tun hat. Wie wir auf dieser Erde leben und was wir erleben ist Gott nicht egal. Unsere Eltern und die Generationen vor uns haben uns die Geschichten erzählt, wie Gott die Welt geschaffen hat, wie Gott Kinder geschenkt hat, wie Gott bei Krankheiten dabei war, wie Gott bewahrt und behütet hat und wie Gott geholfen hat das Schwere zu tragen. Unsere Geschwister im Glauben, über die Zeiten hinweg, machen uns Mut in jeder neuen Zeit nach Gott zu suchen.

Dann aber die Frage: Was hat Gott mit der Corona-Pandemie zu tun? Darauf kann es jetzt im Vorhinein keine einfachen und vereindeutigenden Antworten geben. Erst später werden wir die Geschichten und ihren Sinn den Kindern und Kindeskindern erzählen. Was wir dann wohl alles zu berichten haben werden. Doch auch jetzt will ich mich schon an einer Antwort versuchen. Also: Was hat Gott mit der Corona-Pandemie zu tun?

Im Vielklang, dem Stimmengewirr in Gottes Schöpfung: den Freudenrufen der Glücklichen, den Klagen der Gefolterten auf den Polizeistationen, den unaussprechlichen Wehklagen der plastikfressenden Fische im Ozean, dem Aufstöhnen der Arbeiter_innen in den Fleischfabriken, dem freudigen Glucksen eines Kindes, dem schweren Ausatmen der Armen beim Blick auf den Kontostand, dem fast lautlosen Flügelschlag eines Schmetterlings, dem sanften Platschen des Sommerregens, …

In diesem schön-schrecklichen Stimmenwirrwarr höre ich Gottes leise Stimme. Leise aber beständig ruft Gott zu uns:

„Kehrt um von euren falschen Wegen! Kehrt um und erneuert euer Leben! Diese Welt gehört allen meinen Geschöpfen.

Mit dem Virus kommt die Unsicherheit: Wie sieht unser Urlaub im nächsten Jahr aus? Wann ist endlich wieder alles normal? …

Doch ich sage euch: Kehrt um von euren falschen Wegen! Versucht nicht das, was euch zwischen den Händen zerrinnt, zu halten. Jetzt ist die Zeit zu sehen, was wirklich zählt. Hört endlich auf meine Welt auszuschlachten! Und meine Menschen, nur weil sie auf der Südhalbkugel wohnen, auszubeuten. Hört endlich auf mit euren lächerlichen Unterscheidungen. Ich bin Gott. Alle Menschen sind meine Kinder. Ich habe euch den Auftrag gegeben diese Welt zu bewahren. Ihr lebt mitten in der Schönheit meiner Welt. Doch eure Augen sind gefesselt vom Blick in den Kalender. Euer ganzes Sein ist in Plänen, Systemen und Vorstellungen festgezurrt. Immer im Tritt bleiben, sich nicht ablenken lassen, weiter, weiter zielstrebig am Lebensplan weiterarbeiten.

Doch jetzt – jetzt ist die Unterbrechung da. All eure Pläne und Sicherheiten wurden durcheinandergerüttelt. Das, was ihr euch vorgenommen habt funktioniert oft nicht mehr so gut. Die Angst hat bei vielen von euch einen Unterschlupf gefunden.
Geliebte Kinder, jetzt ist die Zeit! Kehrt um von euren falschen Wegen. Ich bin Gott. Lebt mit mir in meiner schönen Schöpfung. Macht Platz für alle Menschen und Tiere! Macht Platz für meinen Frieden und meine Gerechtigkeit. Dann werdet ihr es schon sehen… An allen Ecken und Enden wächst es auf: das Reich Gottes. Und ich selber bin bei euch. Ich bin Gott und ich lasse euch nicht alleine. Ich wohne mitten unter euch.“

Vikarin Dr. Petra Brunner

Geschrieben von Bärbel Goddon am 06. August 2020

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